#1 Verhalten in Kirchen von AlexR 18.01.2021 23:38

Mich würde interessieren, welchen Umgang ihr mit bzw. in Kirchen anratet.

Bekanntermaßen stehen viele Kirchen auf früheren heidnischen Orten, vor allem bei den sehr alten Kirchen dürfte die Wahrscheinlichkeit hoch sein, daß es so ist. Viele Heilige entsprichen ja sichtlich Gottheiten, wir wir wissen.

Könnte man also nun als Heide bedenkenlos in eine Kirche gehen und dort zu den Göttern in ihrem christlichen Gewand beten, etwa zu Donar vor einem Bild des hl. Petrus oder gibt es da Bedenken? Gerne auch anders herum: Könnte ein Christ etwa an einem Frija-Heiligtum ein Gebet zur hl. Maria sprechen? Ich erinnere mich, dass Géza mal davon sprach, daß heilige Orte eine gewisse Energie haben und diese (auch zum Unguten) verändert werden kann. Die Kraft der Externsteine sei auch nicht mehr so groß, weil dort so viel Unfug getrieben wird.

Gerade, weil viele Heiden ja immer klagen, daß es überall Kirchen gibt, aber keine heidnischen Heiligtümer, ist die Frage berechtigt, ob Kirchen somit auch für das Heidentum von Interesse sind.

#2 RE: Verhalten in Kirchen von Erzgebirger 27.01.2021 13:01

Hallo Alex,
die besten Orte zum Gebet sind meiner Meinung nach in der Natur zu finden. Dort kannst du gegebenenfalls auch ein Opfer bringen.

Natürlich stehen Kirchen oft an besonderen Orten. Ich suche sie deshalb auch gerne auf.
Vor einem Petrusbild zu Donar beten oder umgedreht ist allerdings Blödsinn.
Du kannst in einer Kirche auch beten ohne nun gerade ein Heiligenbild anzusprechen.

Ist natürlich nur meine Meinung...

Gruß

#3 RE: Verhalten in Kirchen von Catrin 27.01.2021 16:08

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Wenn der Ort, an dem die Kirche steht, ein heidnisches Heiligtum ist, so bleibt es trotzdem ein Heiligtum und kann für Gebete und Andacht genutzt werden, sei es in der Kirche oder neben ihr; wobei es natürlich besser ist, wenn man den freien Himmel sehen kann.

#4 RE: Verhalten in Kirchen von Geza v. Nahodyl Nemenyi 31.01.2021 15:16

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Gerade wenn man noch christliche Familienangehörige hat, kommt man zuweilen in die Situation, mit ihnen in die Kirche gehen zu müssen (etwa bei Hochzeiten, Beerdigungen usw.) oder sich sozusagen selbst von der Familie auszuschließen. Das Erstere widerspricht unserm religiösen Verständnis, das Zweite unserm Sippenverständnis.

Mein Rat ist der: Man kann ruhig mitgehen und muß sich dann eben immer die Götter vorstellen. Beim Vaterunser etwa sind es 7 Bitten an die 7 Götter (der Planeten), von "Sonne" angefangen (wie in den Wochentagen). Das kann man gedanklich mitbeten.
Wir gehen ja davon aus, daß die christlichen Götter (Gott-Vater, Jesus, Maria, Heilige) so nicht existieren, daß vielmehr Vorstellungen heidnischer Gottheiten vorliegen, die sich eben nur von unsern etwas unterscheiden. In Litauen ist es da einfacher, denn da heißt der oberste heidnische Gott "Dievs", Er hat Söhne, die um die Sonnentöchter freien. Der oberste christliche Gott heißt dort aber auch nur "Dievs" und der hat nur Jesus als Sohn. Und unser Begriff "Gott" ist ja auch vom Namen Guod(an) = Wodan genommen. Also sollte es da keine Probleme geben.

Auch wenn man eine historische Kirche besichtigt, kann man problemlos Gebete zu den entsprechenden Göttern sprechen. Ich habe in Neapel auch eine Kerze am Marienaltar gesetzt, aber natürlich für Fria (Frigg) oder rova (Frayja) je nachdem, ob da die Mutter Maria oder die Jungfrau Maria steht.
Auch Weihen durch (ernsthafte) christliche Priester können wirksam sein, denn wenn der Weihende Kraft hat, kommt diese Kraft auch beim Geweihten an. Und die dazu gesprochenen christlichen Gebete sind auch für unsere Gottheiten wirksam oder ganz unwirksam, falls sie Dinge enthalten, die nicht zutreffen (die ganze Erlösungs- und Erbsündengeschichte etwa).

Wenn man unsere Feste oft mitfeiert und das Ritual derselben kennt, dann fällt einem auf, wie ähnlich das katholische Meßritual aufgebaut ist. Böse Menschen werden zwar jetzt behaupten, das läge daran, daß ich ursprünglich mal Katholik war und die katholischen Vorstellungen in meine Rekonstruktion des Blótrituals mit eingeflossen sind. Wer sich aber mit den Quellen auskennt, der erkennt, daß alle unsere Texte authentisch sind.

Ein Beispiel: Überliefert ist der Vers "Nimm an ... das Opfer" (Völsa-tháttr) oder "Nimm, o ... dieses Opfer auf und iß dasselbe mit Freuden" (altpreußischer Spruch) den man vor dem Altar sagt, wenn man seine Opferbitten beendet hat. Im katholischen Ritus werden auch Bitten vorgetragen ("Fürbitten") vom Priester, alle antworten dann. Und im Hochgebet sagt dann der Priester (Gotteslob 367):

>Nimm diese heiligen, makellosen Opfergaben an und segne sie (...)<

bzw. an besonderen Tagen:
>Nimm gnädig an, o Gott, diese Gaben deiner Diener und deiner ganzen Gemeinde<

Ich finde, das ähnelt sehr dem "Nimm an ... das Opfer" der heidnischen Überlieferungen. Auch der gesamte Ablauf des Meßritus (zuerst: Lesungen aus der Bibel, Gebete, Anrufung, dann Opfermahl oder Eucharistiefeier) ähnelt doch sehr dem Heidentum. Da wurden auch zuerst die "Taten der Vorfahren" genannt (überliefert bei Simon Grunau) oder Mythenspiele aufgeführt (bei Saxo erwähnt), danach gab es das Opfer und Mahl (in den Sagas gut bezeugt).

Das ist übrigens auch kein Wunder, da die Kirche ihr Ritual vom heidnischen Rom übernommen hatte (es heißt noch heute: Der Römische Meßkanon).
Ich rate jedem der Neuheiden, mal das Meßritual mitzumachen, da es in sich logisch aufgebaut ist und eben heidnische Wurzeln hat. Da kann man sehr viel auch für das Verständnis unserer Rituale lernen.
Übrigens gilt das auch, und sogar noch mehr für hinduistische Tempelrituale.

Lichtgruß
Geza

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