#1 Die Nacht der Hollefrau von Catrin 05.01.2015 14:41

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In Thüringen gibt es einen alten Brauch am Ende der Julzeit: Am 2. Januar reitet die Totengöttin Frau Holle mit ihrem Gefolge durch das Land. In dieser Nacht sollen durch Umzüge und Lärm die bösen Geister vertrieben werden. Man zog ursprünglich auf Töpfen klopfend und mit Geschirr klappernd durch die Nacht, später kam das Geläut der Kirchenglocken hinzu.
In den zwölf Nächten ab dem Julfest ziehen bekanntlich die Götter und Geister umher. Endpunkt dieser Zeit ist der 2. Januar, die "Hullefraansnacht", wie die Thüringer sie nennen.
Der Sage nach verlässt die Göttin Frau Holle mit ihrem wilden Gefolge den Hörselberg, ihren Kultberg, und zieht durchs Land. Wer ihr und ihrem Gefolge über den Weg läuft, wird mit drei Schlägen ihrer Haselnußrute auf den Rücken traktiert. Diese drei Schläge dienen der rituellen Reinigung und vertreiben böse Geister, bringen Glück, Gesundheit und Fruchtbarkeit.
Am 2. Januar verkleiden sich Leute als "Hullefraan" (Hollefrauen), indem sie sich in Stroh hüllen und Masken aufsetzen, und ziehen gemeinsam mit einem Rutenträger durch die Nacht. Die Maske der Holle hat eine große, schnabelartige Nase und trägt auf ihrem Haupt eine Krone, welche von zwei über ihren Kopf zusammen gebundenen "Strohhörnern" umschlossen wird. Am Ende des Zuges geht eine schwarze Gestalt, genannt die "Wilde", welche wild umherspringt und die Leute besonders heftig schlägt. Sie ist mit Ruß beschmiert und stellt die dunkle Seite der Frau Holle dar. Nach den Schlägen der Holle/Hulle bittet die Hullefrau, welche auch "die Ströherne" genannt wird, um eine Gabe, die von ihrem Rutenträger in Empfang genommen wird. Der Preis ist in Speisen oder Münzen zu entrichten. Am Ende des Umzugs treffen sich alle "Hullefraans" in einem schon reichlich gefüllten Saal, um jedem Gast mittels Rutenschlag auf den Tisch ein gesundes neues Jahr zu wünschen. Das gesammelte Geld wird vertrunken. Es heißt, wenn man einen Strohhalm aus dem Gewand der Holle im Geldbeutel trägt, dann gehe das Geld niemals aus.

Gegen Ende der Zwölften kehrt Frau Holle wieder in ihre heiligen Berge, den Hörselbergen, zurück. Dort sitzt sie und schüttelt ihre Betten aus, davon schneit es auf der Erde. Der Schnee macht die Erde fruchtbar.

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