#1 Homosexualität bei den heidnischen Germanen von Catrin 16.04.2018 12:41

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Tacitus schreibt in Germania 12:

>Proditores et transfugas arboribus suspendunt, ignavos et imbelles et corpore infames caeno ac palude, iniecta insuper crate, mergunt.<

>Verräter und Überläufer hängen sie (die Germanen) an Bäumen auf, Kriegsscheue und Unzüchtige versenkt man in Sumpf oder Morast, wobei noch Flechtwerk über sie gelegt wird.<

Im Original steht für Unzüchtige der Begriff corpore infames. Was ist nun genau damit gemeint? Das wird klar, wenn wir uns die Annalen des Tacitus anschauen, in welchen der Begriff ebenfalls erwähnt wird und hier eindeutig im Zusammenhang mit Homosexualität erscheint:

>Cassium quendam mimum corpore infamem adscivisset< (Abschnitt I, 73)

und

>Quinctianus mollitia corpore infamis< (Abschnitt XV, 49).

Der Begriff mollitia bezeichnet dabei das passive homosexuelle Verhalten. Die Männer Cassius und Quinctianus werden hier von Tacitus als Homosexuelle geschildert.

Der Kirchenmann Salvianus Massiliensis berichtet im 4. Jh. über die heidnischen Vandalen, daß sie in ihrem gesamten nordafrikanischen Einflußgebiet die Schande der "Weibmänner" (homosexuelle Männer) beseitigt hätten. Ein Teil der Vandalen war ja bekanntlich nach Nordafrika gezogen und hatte dort ein Reich gegründet.

Der römische Rhetor Quintilian berichtet in der Declamation de milite Mariano über den Germanen Marianus, daß dieser seinen römischen Vorgesetzen niederstach, nachdem jener ihm einen unzüchtigen Antrag gemacht habe.

Das Gulathingslov, die älteste Gesetzessammlung Norwegens, ist eine Aufzeichnung des mündlich vorgetragenen alten Rechts, aufgeschrieben in frühchristlicher Zeit. Darin heißt es:

>En ef karlar tveir blandasc likams losta saman oc verða kunnir oc sanner at þvi. þa ero þeir baðer ubotamenn.<

>Und wenn zwei Männer sich zur Leibeslust vermengen und werden darin erkannt und überwiesen, da sind sie beide friedlos ohne Zulassung der Buße.<

Friedlosigkeit kennzeichnet den persönlichen Verlust des Rechtsschutzes infolge der Verurteilung wegen einer Straftat. Homosexuelle galten daher als Straftäter. Die Tat galt als unsühnbar, und der Verurteilte verlor sein ganzes Vermögen, all sein Hab und Gut, und er durfte auch von niemandem aufgenommen werden. Ein Ubotamenn oder Obotamadhr zu sein bedeutete auch, daß man bußlos erschlagen werden konnte. Das Wort bedeutet "Mann ohne Buße".

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