#1 Die heilige Eiche in dem Kreuzhorst bei Magdeburg von Catrin 05.01.2015 14:33

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Die heilige Eiche in dem Kreuzhorst bei Magdeburg.
Ohnweit Magdeburg zwischen der alten und neuen Elbe, dem Dorfe Salpke gegenüber, liegt ein schöner, durch seine herrlichen Eichen berühmter Forst, der sogenannte Kreuzhorst. Derselbe diente im Mittelalter namentlich zahlreichen Wegelagerern, die von hier aus die Straßen unsicher machten, als Aufenthalt und Versteck, allein es werden von ihm auch verschiedene Sagen erzählt. Er gehörte früher als Klostergut dem vom Erzbischof Gero im Jahre 1022 gestifteten und vom Erzbischof Norbert 1126 mit Prämonstratenser-Mönchen besetzten Kloster zu Uns. L. Frauen. Einst soll Letzterer sich in diesem Walde, den er des Lustwandelns wegen betreten hatte, verirrt haben und an einen freien Platz, in dessen Mitte eine kolossale Eiche stand, die von blühenden Sträuchern und Blumenbeeten umgeben war, gekommen sein. Von der Schönheit des Ortes angezogen, setzte sich der Kirchenfürst auf eine dort befindliche Rasenbank, schlief daselbst ein und als er durch einen plötzlich entstandenen Sturmwind erwachte, soll auf einmal ein hochbetagter Greis vor ihm gestanden haben, der sich ihm als ein Heidengott zu erkennen gab und ihm zwar Vorwürfe wegen seiner Verfolgung der noch nicht zu Christen gewordenen Bewohner des Landes machte, ihm aber gleichwohl verschiedene Rathschläge und Warnungen ertheilte. Als er verschwunden war, umgab den Erzbischof dichte Finsterniß, allein ein weißer Stab, den jener zurückgelassen hatte und den er unter dem Baume fand, diente ihm durch seine wie eine Kerze leuchtende Spitze als deutlicher Wegweiser, sich aus dem Walde zurecht zu finden. Ehe er aber jenen Ort verließ, segnete er noch den schützenden Eichbaum und feiete ihn durch einen frommen Spruch, daß er unzerstörbar sein solle für jede Menschengewalt, gleichzeitig aber ein Asyl für solche, die Schutz gegen Verfolgung unter seinem Laubdache suchen würden. Nach Hause zurückgekehrt, vergaß er bald die wunderbare Begebenheit, die ihm wie ein Traumbild erschienen war; erst nach Verlauf eines Jahres ward er wieder daran erinnert, als er von dem Abte des genannten Klosters die wunderbare Märe hörte, es stehe in dem Kreuzhorste eine gefeite Eiche, der sich Niemand mit Säge oder Axt nahen dürfe, wenn er nicht augenblicklich des Todes sein wolle, schon hätten mehrere verwegene Männer ihr Leben deshalb zum Opfer gebracht, weil die Eiche einmal zum Fällen bestimmt sei, allein Niemand wage sich jetzt mehr an sie. Da dachte der Erzbischof wieder an jene Erscheinung und beschloß, die Eiche selbst in Augenschein zu nehmen; er begab sich an den Ort, wo sie stand, fand aber nichts als eine große, sonst ganz gewöhnliche Eiche, die jedoch nicht jene reizende Umgebung besaß, welche er damals angetroffen hatte, und darum glaubte er auch sich geirrt zu haben, nahm also selbst eine Axt und führte einen gewaltigen Hieb auf sie, allein siehe, noch ehe das scharfe Eisen das Holz berührt hatte, flog es von dem hölzernen Stiele ab und verschwand spurlos. Da wußte der Erzbischof, daß es doch jene heilige Eiche war; er bezeichnete sie also mit einem Kreuze und gebot, sie für immer unberührt zu lassen und ihrer bei jedem künftigen Holzschlage zu schonen. So vergingen viele Jahre, Jedermann kannte wohl in der Umgegend die heilige Eiche, aber Niemand wußte mehr irgend etwas von ihrem geheimen Zauber. Da trug es sich zu, daß eines Tages ein Liebespaar mit einander in dem Kreuzhorste lustwandelte und von Wegelagerern überfallen wurde; sie hatten kaum Zeit, sich unter eine hohe Eiche zu flüchten, wo der Jüngling für den ungleichen Kampf mit den ihm sechsfach überlegenen Feinden sich wenigstens den Rücken decken konnte. Siehe da begab es sich, daß sowie einer der Räuber dem Baume zu nahe kam und nach dem Jüngling einen Hieb that, eine unsichtbare Hand den Angreifer zu Boden warf, so daß in kurzer Zeit keiner derselben mehr übrig war. Die Geretteten eilten in die nahe Stadt zurück und erzählten den wunderbaren Vorgang; als man aber hinkam, um die Leichen der gefallenen Räuber aufzuheben und den Platz näher zu untersuchen, da fand man in dem Baume ein Kreuz eingehauen und erkannte, daß es die heilige Eiche des heil. Norbert war, jener Baum, der von dem alten Sachsengott selbst beschützt war. Der Volkssage nach soll aber jener Baum noch heute vorhanden sein, Schade nur, daß ihn eben Niemand mehr herausfinden kann.


Aus: Grässe, Johann Georg Theodor, Sagenbuch des preußischen Staates

#2 RE: Die heilige Eiche in dem Kreuzhorst bei Magdeburg von Geza v. Nahodyl Nemenyi 06.01.2015 16:22

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Von dieser Eiche hatten wir bei unserm ersten Besuch im Magdeburger Dom erfahren, denn dort gab es eine Broschüre mit Sagen usw. wo das stand. Insofern verdanken wir Heiden den Christen die Kenntnis dieses Ortes.

Die Reste der Eiche sollen ja von einem Jahrhundert noch sichtbar gewesen sein. Wir reisten natürlich noch mal eigens für die Eiche an und wanderten - mit dem Meßtischblatt in der Hand - durch die Kreuzhorst. Von der Eiche fanden wir nichts mehr, aber ich fand einen Standort, der es vielleicht gewesen sein könnte. Da gab es früher mal zwei Teiche, die heute verlandet sind. Bei heidnischen Heiligtümern war ja oft Wasser in der Nähe. Wir haben natürlich hier auch ein kleines Ritual gehalten.

Was man noch tun könnte, insbesondere wenn man in Magdeburg oder Umgebung wohnt: Die Forstämter aufsuchen und in deren Unterlagen nach Angaben zum Standort der Eiche suchen. Wenn man ihn tatsächlich findet, sollte man dort eine neue Eiche anpflanzen und ein Hinweisschild dazu aufstellen. Das wäre die Hausarbeit an die Heiden aus Magdeburg, nur leider gibts da diese Stefaniak, die nichts tut, um solche Dinge herauszubekommen, sondern stattdessen nur im Netz über mich herumhetzt. Hier klafft wieder einmal eine riesenhafte Lücke zwischen dem, was nötig wäre und dem Minderwertigen, was real vorhanden ist.

Lichtgruß,
Geza

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