#1 Völvas, Hexen, Galsterweiber von Catrin 10.07.2017 01:18

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Bei den germanischen Stämmen sind, wie auch bei allen anderen heidnischen Völkern, zauberkundige Frauen bezeugt. Bei den Nordgermanen erscheinen sie als Völven, Seidhkonas und Galdrakonas, entsprechend den südgermanischen Walas, Sud- und Galsterweibern. Auch "Runa" erscheint als Bezeichnung für Zauberin. Zusammenfassen kann man all diese unter dem Begriff "Hexen", wenngleich auch die Hexe nicht nur die zauberkundige Frau ist, sondern auch eine Bezeichnung für einen weiblichen Geist. "Hexe" stammt von ahd. Hagedisse/Hagetisse und bezeichnet die Disse (auch Dise oder Idise genannt) eines Hags. Der Hag ist ein eingehegter heiliger Hain. Als Disen wurden früher sowohl Valkyren, menschliche Frauen, Ahninnen und Göttinnen bezeichnet. Man sprach von guten, hilfreichen als auch von schädigenden Disen.
In Süddeutschland nannte man die Hexen auch Wuottissen, also Wotans Disen. Wotan (Odhinn) ist wie Holda Anführer der Wilden Jagd, des Seelenheeres.
Die nord. Sagas sind voll mit Berichten über Zauberei. Auch in heidnischer Zeit wurde nachgewiesene Schadzauberei bestraft, während der gute helfende oder heilende Zauber willkommen war. Später in christlicher Zeit wurde anfangs jegliche Art der Zauberei als Hirngespinnst geleugnet; doch später änderte sich dieses und die Kirche verdammte jegliche Art der Zauberei als "Teufelswerk"; die heidnischen Götter wurden ebenfalls zu "Teufeln" und "Unholden" erklärt. Auf diesem Boden konnte natürlich die Hexenverfolgung gut gedeihen, und so wurden viele Frauen, aber auch Männer und Kinder, als angebliche Hexen verbrannt oder auf andere bestialische Weise gemordet. Mit der Aufklärung endeten dann allmählich diese Verfolgungen, aber in Märchen, Mythen und Sagen lebte das Hexenbild weiter. Leider überwiegend das negative, nämlich das von der Schadzauberin. Im 20. Jh. wurde dann versucht, den Hexenbegriff zu glorifizieren, die Hexe als rein positive Frauenfigur aufzubauen. Doch beide Bilder werden der Hexe nicht gerecht. Wie anfangs erwähnt, gab es in heidnischer Zeit Frauen, die mit ihrer Zauberkenntnis sowohl helfen als auch schaden konnten. Kein Mensch ist nur "gut", und keiner nur "schlecht", und dies gilt auch für die Hexen.

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