#1 Über die drei Stände von Catrin 04.01.2015 17:25

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Zu den drei Ständen möchte ich aus den Werken von Johann Ludwig Ewald zitieren:

>Längst wurden in Deutschland der Wehrstand und der Lehrstand und Nährstand unterschieden; und diese Unterschied sagt dem Adel schon, was auch die mittlere Geschichte Deutschlands auf jedem Blatte bestätigt, daß eigentlich er bestimmt war, das Vaterland zu verteidigen, wenn es Verteidigung bedurfte. Bis in die Mitte des 12. Jhs. geschah dies auch unter den germanischen Völkern von dem Adel, der allein zu Kriegführern geübt war, und in persönlicher Tapferkeit seinen ganzen Vorzug setzte.<

Oswald von Wolkenstein schreibt:

>got hat drei tail geordent schon,
dorumb er geben wil den lon
dort ewikleichen sunder swer:
gaistlich, edel und arbaiter.
der gaistlich ist also bedacht,
das er sol bitten tag und nacht
für die zwen taile gottes kraft;
und streitten sol die ritterschaft
hert für die andern vorgenant.
der pawer darzu ist gewant,
das er sein arbeit teglich brauch
umb unser nar, im selber auch.<


Nach dem antiken heidnischen Modell obliegt dem Lehrstande die Besetzung der führenden öffentlichen Ämter, also nach Platon:

Nährstand: Sie bilden die tragende Säule für die Ernährung und den Erwerb.

Wehrstand: Sie gewährleisten die Verteidigung nach außen.

Lehrstand: Dies sind die Herrschenden. Nach den Prinzipien von Gerechtigkeit und Vernunft leiten und lenken sie den Staat.

Weil der Lehrstand die geistige Bildung besitzt, um mit Vernunft zu lenken. Es gibt auch Beispiele aus dem germanischen Heidentume, daß z. B. nicht der König die Urteile über Verbrecher aussprach, sondern der heidnische Priester. Der König führte hingegen das Heer an.

Aus Carl Daubs philosophischen und theologischen Vorlesungen zitiert:

>Der Nährstand, der Landmann als Ackerbauer, der Hirt, der Handwerker, mechanische Künstler, hat eine ihm eigentümliche Begehrungsweise, die Begierde geht auf Erwerb, und dieser Begierde sind in diesem Stand alle andere untergeordnet.
Beim Wehrstand ist die Bestimmung: Schutz mit Gefahr des eigenen Lebens. Seine Begierde geht nicht auf Erwerb, sonst wäre es der Raubstand, sondern ihm kommt es auf die Ehre an, auf die Ehre der Verachtung der Gefahr für das Vaterland.
Beim Lehrstand gilt es wieder den Erwerb, aber nicht den materiellen, sondern den intellectuellen; die Begierde wird hier Wißbegierde.<


Man kann also als Ziele der jeweiligen Stände feststellen, daß der Nährstand den materiellen Reichtum, der Wehrstand Ruhm und Ehre, und der Lehrstand Weisheit anstrebt. Das hilft uns auch, dadurch daß wir feststellen, was im Leben für uns besonders wichtig ist (Reichtum, Ehre oder Weisheit), unseren eigenen Stand festzustellen. Normalerweise gibt uns ja der Stand der eigenen Ahnen (Eltern, Großeltern usw.) darüber Auskunft, doch in der heutigen Zeit ist dies oft nicht mehr so offensichtlich, daher kann man sich anhand seines Lebenszieles selbst überprüfen.

Den 3 Ständen entsprechen auch die 3 menschlichen Naturelle:

Empfindungsnaturell=Lehrstand
Bewegungsnaturell=Wehrstand
Ernährungsnaturell=Nährstand

Hier findet sich eine ausführliche Abhandlung über diese 3 Naturelle, die ebenfalls hilfreich ist, sich selbst einzuordnen:

http://www.paracelsus-magazin.de/alle-au...ysiognomik.html

#2 RE: Über die drei Stände von Erwin 04.01.2015 21:29

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>>Pain is temporary...Glory ist for ever!"...."Schmerz ist Nebensache, Ruhm ist für immer!"

Aber: Idealismus ist mehr gefragt wie "Freude auf Geld und Entlohnung", so das der Wehrstand von Heute eher als "Abenteuerer" und "Hochstapler-der-Waffenfähigkeit" an zu sehen sind, als Wehrständler der Ahnen. Mut muß man haben, ohne Schweizer Bankkonto als "Speed" und "Crystal", um etwas zu tun, was der Gemeinschaft hilft.
Der Wehrstand hat die meiste Macht und den undankbarsten Aufgabenteil. Ich selbst denke, die Opferung der Hand des Gottes Tyr bei der Bindung des Fenrir-Wolfes zeigt dies in den Mythen über deutlich. Das ist die Meßlatte und nicht "guter Schütze" oder "Beziehungen" und Streben zur Macht.

Ich möchte damit sagen: Wo Heute Personen Funktionen ausüben, die "Wehrstandlogik" bedarf, da reichte es für diesen Personenkreis früher nicht mal zum Stallknecht!

#3 RE: Über die drei Stände von Catrin 05.01.2015 17:37

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Zitat
Ich möchte damit sagen: Wo Heute Personen Funktionen ausüben, die "Wehrstandlogik" bedarf, da reichte es für diesen Personenkreis früher nicht mal zum Stallknecht!



So sieht es dann aus, wenn Leute aus einem bestimmten Stande versuchen, die Aufgaben eines anderen Standes zu übernehmen; das kann nicht gutgehen. Nicht von jeher heißt es "Schuster bleib bei deinen Leisten"! Ein Bauer oder ein Lehrständler sind nun mal keine Krieger und haben auch nicht die Ziele des Kriegers. Umgekehrt ist es genauso. Durch das Aufweichen des Ständesystems sind heute Leute in Positionen, wo sie nicht hingehören, nur weil sie nach Geld schielen. Viele Beruf sind einfach überbezahlt, das lockt dann oft die Falschen an. Warum wird ein Politiker der Regierung höher bezahlt als ein fleißiger Handwerker? Sowas muß doch dazu führen, daß die Leute ihren Beruf nach der Bezahlung wählen, anstatt nach ihrem wahren Können.

#4 RE: Über die drei Stände von Erwin 05.01.2015 18:15

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..viele Theologen kommen in politische Spitzenämter, was ich mal für groben Unfug halte. Nicht hin gekommen zu sein, sondern die Oppositions-Logik gegen Regieren zu tauschen, da wo Kontrolle wichtiger als Wurschteln wäre. Das Zersplittern der Stände geht aber auf das Konto der Mission, die dies wohl bewußt gemacht hat.

#5 RE: Über die drei Stände von Catrin 06.01.2015 13:10

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Ich denke, das Aufweichen des Ständesystems beruhte auf Machtmißbrauch und ungerechtes Vorgehen der Herrschenden. Dadurch fühlte sich der Nährstand benachteiligt, hat revoltiert und sich selbst in bestimmte Positionen gebracht, die eigentlich Lehr- oder Wehrständlern zustehen. Aber diese haben ihre Arbeit nicht ordentlich getan, ihre Positionen mißbraucht, weil einfach der ethische Hintergrund fehlte, den unsere heidnischen Ahnen größtenteils noch hatten.

#6 RE: Über die drei Stände von Erwin 06.01.2015 17:14

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..und explodiert ist das Ganze mit dem Aufkommen des Industrie-Prolletariates (kein Schimpfwort). Durch das Organisieren gegen die Arbeitgeber hat die Arbeiterschaft nicht sehen wollen, wer sie da vertritt. Egal was "sie" auch machen, es kommt nur Schlechtes dabei heraus. So hat es Isa, eine junge Dame aus dem Vor-Vor-Forum nicht besser formulieren können.

#7 RE: Über die drei Stände von Andreas 14.11.2016 17:14

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In welchen Stand fällt dann die Pflege?
Altenpflege bei mir.
Ich war immer der Meinung, daß ich damit im Nährstand bin. Aber da man in der Pflege unterbezahlt ist, kann es kein Erwerb sein. Da habe ich in meinem vorherigen Beruf wesentlich mehr verdient, bei weniger körperlicher Arbeit.

#8 RE: Über die drei Stände von Catrin 15.11.2016 11:18

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Bei unseren heidnischen Ahnen oblag das Pflegen von Kranken den Frauen; es war also eine vom Stande unabhängige Tätigkeit. Dann gab es noch die Heiler, welche beiderlei Geschlechts sein konnten. Das Heilen war aber keine Haupttätigkeit, sondern konnte von Angehörigen aller Stände ausgeübt werden. Die Bauern hatten ihre Heilkundigen, aber auch die Krieger und die Geistlichen. Ein Krieger konnte also gleichzeitig Krieger und Heiler sein; ebenso galt dies für die beiden anderen Stände.

#9 RE: Über die drei Stände von Andreas 16.11.2016 16:15

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Danke.

Bewege ich mich dann außerhalb der Stände? Mütterlicherseits waren mein Urgroßvater Sanitäter, mein Großvater Krankenpfleger und eben ich Altenpfleger (noch in Ausbildung). Da ich mich eben als Kaufmann überhaupt nicht wohl fühlte mache ich jetzt die Umschulung.

Ja, Pflege war eine "Frauensache".
Darum interessiert mich die heutige Bewertung sehr.

#10 RE: Über die drei Stände von Catrin 16.11.2016 17:17

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Heute ist eben vieles anders als früher. Manche Wertemaßstäbe haben sich im Wandel der Zeit oft geändert. Wir können die Dinge hier eben nur vom germanischen Altheidentum aus betrachten. Alles andere muß jeder für sich selbst ausmachen bzw. finden. Das Pflegen allein war jedenfalls kein eigener Stand.

#11 RE: Über die drei Stände von Mirjam 20.11.2016 23:47

Für bestimmte Dinge muss man heute wie früher mehr wissen als Jedermann. Jemand mit überdurchschnittlichen Wissen wird wohl dem Lehrstand angehört haben. Es soll nicht abwertend oder gemein klingen und ich drücke es auch etwas überzogen aus, aber (fast) jeder kann Pflegekraft werden (da gibt es auch verschiedene Abstufungen), doch nicht alle sind befähigt Arzt zu werden.

Mit den Merkmalen in der Beschreibung tue ich mich schwer, bei mir trifft beschreibungsmäßig sowohl Lehr- als auch Nährstand zu; von den Ahnen (neben Paffen, Prinzregentenerzieher, eine der erste Uhrmacherinnen und Künstler) und meiner Ausbildung her Lehrstand.
Allerdings frage ich mich inwieweit diese Ständegesellschaft sich auch durch die Römer und den christlichen Einfluss entwickelt hat. Bei all den Quellen handelt es sich meist um römische (christliche) Sicht. Hungersnöte und Unterernährung sprechen nicht dafür, dass es ein stehendes Heer gab von freien Männern, die sich nur an den Waffen übten. Man hat doch nicht Arbeitskraft auf Eventulitäten abgestellt, wenn man weiß, dass man ökonomisch garaniert mehr davon profitiert, wenn X Männer mehr den Boden bestellen. Die Sichtweise, dass körperliche Arbeit weniger Wert ist als geistige ist eine klassisch Antik-Griechische.

#12 RE: Über die drei Stände von Geza v. Nahodyl Nemenyi 25.11.2016 12:46

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Die drei Stände kommen schon bei Tacitus vor und im Mythos. Ich denke, sie gelten oder galten als gleichwertig, das mag sich mit der Zeit geändert haben. Nur die Unfreien gelten als minderwertig, weil es ursprünglich Kriegsgefangene anderer Völker waren, die nicht von Heimdallr abstammen. Trotzdem ging man auch mit ihnen gut um, wie Tacitus belegt.

Geza

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